Aktienmarkt profitiert von Wette auf KI - Trägt sich der KI-Boom eigentlich selbst?
Shownotes
Rekordinvestitionen in Rechenzentren, volle Auftragsbücher bei den großen Tech-Konzernen – und gleichzeitig werden die kritischen Fragen lauter: Trägt sich der KI-Boom eigentlich selbst? Oder finanziert die Branche da gerade im Kreis herum? Und was heißt das für den Aktienmarkt und den Anleger? Darüber sprechen wir heute mit Birgit Henseler, Aktienstrategin in der Gruppe Anlagestrategie und Privatkunden.
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00:00:04: Willkommen zum DZ Research Podcast.
00:00:07: Aktuelle Kapitalmarktentwicklungen Woche für Woche auf den Punkt gebracht.
00:00:16: Rekordinvestitionen in Rechenzentren, volle Auftragsbücher bei den großen Tech-Konzern und gleichzeitig werden die kritischen Fragen lauter.
00:00:25: Trägt sich der KI Boom eigentlich selbst?
00:00:27: Oder finanziert die Branche da gerade im Kreis herum?
00:00:31: Und was heißt das für den Aktienmarkt und den Anleger?
00:00:34: Darüber sprechen wir heute mit Berget Henseler Aktienstrategien in der Gruppe Anlagestrategie und Privatkunden.
00:00:41: Mein Name ist Oliver Finger, ich bin Analyst im selben Team.
00:00:44: Ja, Birgit?
00:00:45: Hallo, grüß
00:00:46: dich!
00:00:48: Fangen wir mal ganz profan an, Birгit.
00:00:50: Bei KI reden wir ja an der Börse seit gut drei Jahren.
00:00:54: nicht wenige sagen das Thema ist eigentlich durch.
00:00:57: warum ist es aus deiner Sicht nicht so?
00:01:00: Weil KI meines Erachtens längst kein reines Aktienmarkt-Thema mehr ist, sondern tatsächlich in der Realwirtschaft angekommen ist.
00:01:10: Du hast die großen Technologiekonzerne ja schon angesprochen, die investieren derzeit massiv in Rechenzentren und Software Und diese Investitionen sind eine tragende Säule des amerikanischen Wirtschaftswachstums geworden.
00:01:25: Dabei entsteht einerseits reale Wertschöpfung wenn die Rechenzentren gebaut werden und die Strom- und Netzinfrastruktur ausgebaut werden.
00:01:35: Und dieser Boom geht jedoch auch mit Preissteigerungen einher, insbesondere die Preise für knappe Speicherchips steigen derzeit enorm oder auch die Strompreise.
00:01:50: Gleichzeitig lässt das ganz große Versprechen eines gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsschubs – das lässt noch auf sich warten.
00:02:00: Die Schätzungen von verschiedenen Forschungsinstituten, die liegen so etwa bei ca.
00:02:05: bei Nullkomma eins bis Nullkommer vier Prozentpunkten zusätzlichem Produktivitätswachs zum Projahr durch die KI.
00:02:13: in den kommenden Jahren zusammenfassen wird das Thema KI uns sehr wahrscheinlich noch sehr lange beschäftigen.
00:02:21: Und der Boom hält zwar an, doch die Phase der Euphorie – auch das merkt man momentan – geht zunehmend in eine Phase über, in der die wirtschaftlichen Auswirkungen und die tatsächlichen Erträge stärker hinterfragt werden.
00:02:38: Und genau daraus ergibt sie auch momentan die höhere Volatilität an den
00:02:42: Märkten.".
00:02:43: Jetzt ist es ja so wenn ich als Anleger irgendwas mit KI kauf, dann kann es ja vieles sein.
00:02:50: Also was weiß ich vom Chip-Hersteller bis zur App?
00:02:54: Wie sortierst du diese
00:02:55: Universum?".
00:02:56: Ja das finde ich eine super wichtige Frage weil KI immer so über einen Kamm geschert wird.
00:03:02: aber im Grunde genommen kann man die KI Wertschöpfungskette in vier verschiedene Ebenen unterteilen.
00:03:09: Diese Ebenin kann man nochmal weiter unterteigen.
00:03:12: Ich sage jetzt mal in grob vier verschiedene Ebenen.
00:03:15: Und ganz am Anfang steht die Hardware, das sind die Halbleiter, das ist die Netzwerktechnik, die Energie und die Kühlung.
00:03:24: Hier fließen aktuell die höchsten Umsätze weil weltweit Kapazitäten aufgebaut werden und wir gerade im Halbleitersektor sehr starke Engpässe haben.
00:03:38: Die zweite Ebene sind die Rechenzentren selbst Betrieben von den großen Technologiekonzernen, dem sogenannten Hyperscaler.
00:03:49: Erst auf der dritten Ebene sitzen tatsächlich die KI-Modellentwickler also die, die die Modelle weiter entwickeln und verbessern.
00:04:00: Und die vierte Ebene das sind dann die Anwendungen Die Software mit der Unternehmen und Verbraucher am Ende arbeiten.
00:04:11: Das Geld wird derzeit vor allem auf den ersten beiden Ebenen verdient, also bei denen die Schaufeln verkaufen und die Infrastruktur bauen.
00:04:25: Aber im wörtlichen Sinne muss der Boom auf der vierten Ebene anwenden.
00:04:35: Erst wenn dort dauerhafte Erlöse mit KI-Anwendungen erzielt werden, erst dann werden sich die gewaltigen Investitionen auf den Ebenen darunter rechnen.
00:04:46: Also, wenn man von KI spricht und auch natürlich über das Thema einer möglichen Blase, muss man im Grunde genommen diese vier unterschiedlichen Ebenenden unterscheiden, die jeweils mit unterschiedlichen Risiken einhergehen.
00:05:03: Man spricht ja von gewaltigen Investitionen.
00:05:07: Wie gewaltig sind die denn und können sich die Konzerne das eigentlich dauerhaft überhaupt leisten?
00:05:13: Ja,
00:05:14: das
00:05:15: ist die größte Frage!
00:05:18: Und ganz klar, die Größenordnungen sind riesig wirklich riesig.
00:05:24: Die Hyperscaler investieren Rekordsummen in Rechenzentren und die Investitionen wachsen inzwischen um ein Vielfaches schneller als die operativen Ergebnisse der Unternehmen.
00:05:40: Ich habe es letzte Mal berechnet, dass der agregierte freie Cashflow der fünf großen Hyperscala also das was nach den Investition über bleibt zeitweise auf null gesunken ist.
00:05:55: Eine Folge davon ist zum Beispiel, dass es kaum mehr Aktienrückkäufe von den großen Hyperscalen gibt.
00:06:03: Gleichzeitig führt der Rückgang des Freien Cashflows.
00:06:07: dazu das ein wachsener Teil des Ausbaus der Infrastruktur mittlerweile über den Anleihemarkt finanziert werden muss und damit wird die KI Story zinssensibler.
00:06:23: stark steigende Zinsen zuletzt gesehen.
00:06:25: Also diese steigenden Zinssen und damit natürlich auch die schlechteren Finanzierungsbedingungen treffen, die Hyperscaler unmittelbarer als früher.
00:06:37: hinzukommt ja dass sie Rekordinvestition von heute.
00:06:42: die Abschreibungen vom Morgen sind und die werden die Gewinndynamik der kommenden Jahre sicherlich ein Stück weit dämpfen.
00:06:50: Das per se ist kein Alarmsignal, aber es erklärt warum der Markt momentan genauer hinschaut und warum auch die Aktienkurse gerade stärker schwanken als in der Vergangenheit.
00:07:04: Jetzt könnte man ja sagen wer so viel Geld ausgibt muss ja irgendwann auch liefern.
00:07:08: Ja das sollte so sein!
00:07:10: Gibt's denn schon Belege dass sich die Investitionen auszahlen?
00:07:14: Ja hier muss man sagen gibt es tatsächlich.
00:07:19: Einer der besten Indikatoren ist meines Erachtens der Auftragsbestand.
00:07:23: Also Verträge, die bereits unterschrieben sind.
00:07:29: bei den wichtigsten Technologiekonzern hat sich dieser Bestand innerhalb von... von wenigen Quartalen mehr als verdreifacht.
00:07:39: Einzelne große Cloudspaten melden inzwischen Auftragsbestände von jeweils rund fünfhundert Milliarden US-Dollar und mit Zuwachsraten von über einhundert Prozent gegenüber dem Vorjahr.
00:07:53: Und fast alle Konzerne berichten unisono, dass sie die Nachfrage nach Rechenleistung derzeit gar nicht bedienen können.
00:08:04: werden ja auch immer mehr Rekordsummen investiert.
00:08:07: Und diese Nachfrage kommt dabei längst nicht nur von KI-Firmen, sondern zunehmend von Industriekunden und Unternehmen, die KI so langsam in ihre Abläufe integrieren.
00:08:28: Das ist ein positives Zeichen.
00:08:30: Ein Punkt muss man allerdings erwähnen Teil dieser Nachfrage stammt aus dem KI-Ökosystem selbst.
00:08:39: Und ja, damit sind wir natürlich auch beim wichtigen Thema was die Märkte derzeit umtreibt.
00:08:44: Ja, Stichwort Circular Finance.
00:08:47: Genau!
00:08:49: Also jeder finanziert jeden sozusagen...
00:08:51: Genau, jeder mit jedem.
00:08:52: Das ist noch früher am
00:08:55: Morgen.
00:08:58: Was passiert denn da genau und wie kritisch siehst du das?
00:09:02: Ja, vereinfacht gesagt zirkulieren Kapital- und Umsätze im Kreis.
00:09:09: Also ein Shiphersteller beteiligt sich an einem KI Startup, das mit diesem Kapitalrechenleistung beim Hyperscaler mietet und der Hyperscala baut mit den Erlösen wiederum Rechenzentren aus für die er die Ships genau bei diesem Hersteller kauft.
00:09:30: Teilweise wird Rechenleistung sogar direkt gegen Unternehmensanteile getauscht.
00:09:36: Und so sind, das ist natürlich der große Nachteil, alle großen Akteure inzwischen finanziell eng miteinander verflochten.
00:09:46: Das hat durchaus eine sinnvolle Seite.
00:09:48: Junge KI-Firmen beispielsweise bekommen schnellen Zugang zu extrem teurer Infrastruktur die sie fürs Training ihrer Modelle auch zwingend brauchen.
00:10:01: Und die Schipphersteller sich langfristig abnehmern, aber die Risiken liegen auch auf der Hand nämlich ein Teil der berichteten Umsätze basiert nicht auf echter Endkunden-Nachfrage sondern auf Geld das im Kreis läuft.
00:10:22: Die Zahlen können also besser aussehen als sie fundamental tatsächlich sind Und durch die enge Verkettung, das ist so ein zweites Risiko.
00:10:33: Da droht oder besteht – es vielleicht besser ausgedrückt – so einen Domino-Effekt.
00:10:40: Geredeinglied der Kette in Straucheln etwa weil sich KI Software schlechter monetarisieren lässt als erhörft dann kann sich das natürlich auf alle anderen übertragen.
00:10:53: Deshalb muss man bei den Unternehmen genau hinschauen, wie viel Echter er löst.
00:10:59: Ja tatsächlich von externen Kunden bereits fließt.
00:11:04: Birgit lass uns schon zum Schluss kommen und zwar zu einer ganz entscheidenden Frage was heißt das jetzt alles für die Anleger?
00:11:14: Ich glaube eine Sache lässt sich ganz klar feststellen Für Anlegers heisst es Wer KI komplett meinen will, der hat es schwer war.
00:11:23: KI einfach so tief schon in der Wirtschaft eingeflossen ist Das heißt gleichzeitig ein KI-freies Investment ist kaum noch möglich.
00:11:37: Der andere Punkt der wichtig ist dass das Etikett KI allein nicht mehr für steigende Kurse ausreicht.
00:11:46: Ich glaube, das ist auch ganz wichtig und das hat man ja auch in der Vergangenheit oder den vergangenen Wochen schon gesehen.
00:11:53: Der Markt wird differenzierter und er belohnt zunehmend die Unternehmen, die tatsächlich messbare KI-Erlöse nachweisen können.
00:12:05: Und für die Auswahl heißt es... auf den freien Cashflow nach Investitionen achten, auf die Verschuldung und auf Nachweisbares Wachstum im KI-Geschäft.
00:12:18: Das ist aus unserer Sicht eine gesunde Entwicklung, weil die Fundamentaldaten wieder stärker in die Kursbildung einfach einfließen.
00:12:28: Und nicht zuletzt müssen sich Anleger wohl auch auf Schwankungen einstellen.
00:12:36: Der Boom ist weiterhin fundamental untermauert.
00:12:39: Die Auftragsbücher sind voll, aber Themen wie die zirkulären Finanzierungen, die wir eben angesprochen haben oder auch die Zinssensibilität können auch mal für Rücksetzer sorgen.
00:12:55: Wie immer gilt, wer breitgestreut investiert ist und diese Volatilität aushält.
00:13:02: Der muss vor dem KI-Thema im Grunde genommen keine Angst haben.
00:13:06: Und zusammenfassend bleibt zu sagen, unseres Erachtens hält der KI Boom noch weiter an.
00:13:12: Der Weg wird vielleicht etwas holpriger?
00:13:15: Prima!
00:13:16: Das war's Birgitt.
00:13:17: Vielen Dank für diese Einblicke und Ausblicke.
00:13:20: vor allem Und liebe Zuhörerinnen und Zuhöre, danke fürs Reinschalten.
00:13:25: Und bis zum nächsten Mal!
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