Die Rückversicherungsbranche: Rendite mit dem Katastrophenschadenrisiko
Shownotes
Ein Hurrikan trifft eine Küste, Starkregen setzt ganze Straßenzüge unter Wasser, ein Hagelsturm beschädigt tausende Autos. Für die Betroffenen sind das einschneidende Ereignisse. Für die Versicherungswirtschaft stellt sich zusätzlich die Frage, wie solche Schäden überhaupt finanziell aufgefangen werden können. Genau darum geht es heute: Warum werden Naturkatastrophen teurer, wie funktioniert Rückversicherung, und weshalb schwanken die Preise für diesen Schutz? Darüber sprechen wir heute mit Thorsten Wenzel, Leiter Aktien Services & International.
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00:00:04: Ein Hurricane trifft eine Küste.
00:00:18: Starkregen setzt ganze Straßenzüge unter Wasser, ein Hagelsturm beschädigt Tausende Autos.
00:00:25: Für die Betroffenen sind das einschneidende Ereignisse.
00:00:27: – für die Versicherungswirtschaft stellt sich zusätzlich die Frage wie solche Schäden überhaupt finanziell aufgefangen werden können?
00:00:35: Genau darum geht es heute!
00:00:36: Warum werden Naturkatastrophen teurer?
00:00:39: Wie funktioniert Rückversicherung und weshalb schwanken die Preise für diesen Schutz.
00:00:44: Darüber sprechen wir heute mit Thorsten Wenzel, Leiter Aktien Services und International.
00:00:49: Mein Name ist Oliver Finger ich bin Analyst im Team Aktienstrategie und Privatkundung.
00:00:52: Hallo Thorsten herzlich willkommen
00:00:54: Hallo Oli
00:00:56: Thorsten.
00:00:57: man hört ja in den Medien immer häufiger von schweren Naturkatastholen jetzt zum Beispiel zuletzt in Nepal.
00:01:04: Werden Naturkatastrophen tatsächlich immer schlimmer oder berichten die Medien einfach nur häufiger drüber?
00:01:10: Ihr habt euch das, glaube ich auch in einer aktuellen Studie angeschaut.
00:01:14: Ja, das ist für den Anfang natürlich berechtigt, aber erst mal schwierige Frage.
00:01:18: Ich fange mit etwas Einfachere an weil es besser messbar ist.
00:01:21: also was man sicher sagen kann ist dass sowohl die volkswirtschaftlichen Schäden als auch die versicherten Schäde durch Naturkatastrophe haben deutlich ein Aufwärtstrend geschätzt wird, dass das reale also inflationsbereinigte Wachstum der versicherten Schäden in den letzten Jahrzehnten bei rund fünf bis sieben Prozent gelegen hat pro Jahr.
00:01:41: Und dieses Wachttum übersteigt das globale BIP-Wachstume, d. h., relativ zur Wirtschaftsleistung steigt die Schadenlast.
00:01:49: Das allerdings und das würde niemanden überraschen.
00:01:51: unter ziemlich großen Schwankungen abweichend von diesem langfristigen Trend war das Jahr zwanzig zum Beispiel eher schadenarm, dank einer ruhig verlaufenden Hurricane-Saison.
00:02:01: Im Jahr zweitausendzwanzig haben die Versicherten Schäden bei rund hundertsieben Milliarden US-Dollar gelegen und der Trendwert hat man bei etwa hundvierzig Milliarden US Dollar gelegen gesehen.
00:02:10: Und im laufenden Jahr hat sich das auch erst mal fortgesetzt.
00:02:13: Das Schadenumfeld war bislang weiterhin günstig trotz der Naturkatastrophe in Nepal Selbst.
00:02:20: das unter anderem wieder, weil selbst die gefürchtete Hurricane-Saison bis zum jetzigen Zeitpunkt weitgehender Ereignis losverlaufen ist.
00:02:26: Und die hat inzwischen auch ihren Höhepunkt überschritten.
00:02:29: Klar ist aber auch dass diese Glücksstrainer irgendwann mal reißen wird.
00:02:33: Prognosen gehen davon aus, dass ein normales Katastrophenschadenjahr im Jahr twohntausenddreißig bei etwa hundertsechsnachtzig Milliarden US-Dollar liegen wird und wenn es schlecht läuft können das auch mal vierhundert Milliarden US Dollar in einem Jahr sein.
00:02:45: Jetzt hat man gefragt, woran liegt das?
00:02:47: Da gibt es mehrere Gründe.
00:02:48: Der eine kann man als soziokonomische Faktoren bezeichnen, Urbanisierung und die Tatsache dass in Regionen die Schadenexponiert sind viel gebaut wird, führt dazu bei.
00:02:58: Dann haben wir Schadeninflationen.
00:03:01: Die Schadeninflation ist höher als die normale Inflation.
00:03:04: Dann außerdem eine höhere Versicherungstichte, was erst mal was Positives ist.
00:03:08: Weil es bedeutet dass das ein größerer Teil der Schäden noch tatsächlich versichert ist.
00:03:11: aber es führt natürlich auch dazu dass die versicherten Schäde ansteigen und last but not least zunehmende Wetterextreme vorursacht höchstwahrscheinlich durch den Klimawandel insbesondere so sogenannte sekundär Gefahren wie Hagel Tornados Waldbrände haben in den letzten Jahren zugenommen Und das hat zu einem steigenden Trend.
00:03:32: Ein großes Unwetter trifft ja auf tausende Versicherte gleichzeitig.
00:03:37: Meine Frage ist, wie kann Ihnen jetzt eine Versicherung eigentlich solche Summen tragen und an welcher Stelle kommt da die Rückversicherungen
00:03:43: ins Spiel?
00:03:44: Ja das ist ein wichtiger Punkt.
00:03:45: also in den meisten Versicherungszweigen sondern im normalen Versicherunggeschäft wie Kfz-Versicherungen da ist es so dass ein einzelnes Schadeneignis Das mag aus Perspektive des Kunden eine Tragödie sein.
00:03:55: Aus Perspektiven des Versicherers ist es aber keine große Sache, das Gesetz der großen Zahl funktioniert gut, das einzelne Schadeneignis ist nicht besonders teuer.
00:04:04: aussicht des Versicherung und das macht die Sache gut kalkulierbar.
00:04:07: Und das ist bei Naturkatastrophen anders?
00:04:09: Das sind Großschadenereignisse, gleichzeitig sehr viele Versicherte treffen.
00:04:15: Man spricht dann von einem Cumul-Risiko, also wenn ein Ereignis viele Schäden verursacht.
00:04:20: und schönes Beispiel dafür teuerste Naturkatastrophe in der Sicherungsgeschichte Deutschlands ist das Sturmtief Bernd.
00:04:27: Das sind die davon ausgelöste Flutkatastrophen, die ja im Jahr zweihunderttausende einzelne Schadenereignisse in etwa verursachten.
00:04:35: Und sie haben zusammengenommen rund neun Milliarden Euro.
00:04:41: Im Ahrteil genau!
00:04:43: Volkswirtschaftliche Kosten waren nochmal höher.
00:04:45: Und diese Art von Risiken, die ist für Erstversicherer problematisch weil sie häufig auf bestimmte Länder oder Regionen konzentriert sind und derartige Risiken daher nicht gut kalkulieren können.
00:04:58: Das ist genau die Stelle danach hast du ja gefragt an der die Rückversicherung ins Spiel kommen.
00:05:02: deren Geschäftsmodell besteht eben gerade darin sehr viele unkorrelierte Katastrophenschadenrisiken aus aller Welt in einem Portfolio zu sammeln Damit zu diversifizieren, diese Diversifikation auch noch zu verbessern indem andere Risiken hinzugefügt werden.
00:05:18: Also zum Beispiel biometrische Risiken und das führt dazu dass man diese Risiken auch tatsächlich abdecken kann.
00:05:23: und darin besteht auch der volkswirtschaftliche Nutzen der Rückversicherer, dass sie Risiken versicherbar machen die es ohne die Rückversicherung eben nicht wären und das erleichtert eben auch Investitionen usw.
00:05:37: Und ja darin besteht wenn man so will der volkswirtschaftliche nutzen was man an der stelle vielleicht noch hinzufügen sollte weil es erfreulich ist.
00:05:43: aus deutscher sicht also während der größte Versicherungsmarkt für rückversicherern Die USA sind kommen die größten und Ja auch erfolgreiche rück versicherer gerade aus deutschland und der schwarz.
00:05:58: Der volkswirtschaftliche Nutzen hat es jetzt angesprochen, das leuchtet mir ein.
00:06:02: Aber ist Rückversicherung nicht ein extrem riskantes Geschäft?
00:06:06: Also riskant auch für Investoren in diesem Sektor?
00:06:09: Ja nein!
00:06:10: Es ist natürlich schon so, dass außergewöhnliche Katastrophen bei Rückversicherern dazu führen können, dass die Gewinnziele erstmal Makulatur werden – also Hurricane Katrina hat zweitensfünfhundert Milliarden US-Dollar nach heutigem Geld wert gekostet und das muss nicht das Ende der Fahnenstange sein.
00:06:26: Aber die gute Nachricht ist, dass sämtliche zumindest die von uns gecoverten Rückversicherer, die würden auch nach einem solchen extremen Ereignis immer noch eine sehr gute Kapitalausstattung gemessen typischerweise an der Solvabilitätsquote haben.
00:06:40: Und das ist extrem wichtig weil im Anschluss an solche Eregnisse ergeben sich für Rückversichere auch immer große Chancen, die man natürlich nur nutzen kann wenn man immer noch über eine Adequate Kapitalausstattungen verfügt.
00:06:53: und dann muss man halt sehen Die sprichwörtlichen Müllsteine unter Wasser kann man nicht gegen Feuer versichern.
00:07:00: und Versicherer profitieren zwar wie im Augenblick mal kurzfristig davon, wenn der Schadentrend sehr positiv ist also wenig passiert.
00:07:08: Aber langfristig ist es so dass ein aufwärtsgerichteter Schadentrend eben auch eine Wachstumschance für den Versicherungsektor darstellt.
00:07:17: Und dann zudem ist Rückversicherung auch sowas wie einen Risikoausgleich in der Zeit zwischen Erst- und Rückversicherern.
00:07:23: Ein günstiger Schadenverlauf führt halt tendenziell dazu, dass der Preis für Rückversicherung sinkt und umgekehrt.
00:07:30: Die tatsächliche Schadenbelastung durch Katastrophenschäden weicht naturgemäß also in jedem Jahr von dem was die Rückversicherer so schätzen ab.
00:07:40: aber unsere Analyse zeigt das dass es langfristig die Rücksichere diese Risiken ganz gut einschätzen können.
00:07:47: Und selbst wenn das mal nicht der Fall sein sollte wie das zum Beispiel bei der Corona-Pandemie war Dann ist es so, dass Rückversicherer relativ schnell reagieren können.
00:07:57: Weil die Verträge für Rückversicherung jedes Jahr neu ausgehandelt werden.
00:08:01: Okay!
00:08:02: Das ist jetzt die grundsätzliche Perspektive.
00:08:04: aber wie ist denn die aktuelle Marktlage?
00:08:07: Also wie profitabel sind Rückversichere und wie entwickeln sich die Preise fürs Risiko?
00:08:13: Ja das ist so, da der Rückversichtungsmarkt.
00:08:14: er ist schon bekannt für eine ausgeprägte Zyklizität.
00:08:18: Das gilt besonders, aber nicht nur für die Absicherung von Katastrophenschadenrisiken Dieser sogenannte Underwriting-Cycle, in dem Wechseln sich Hardmarket und Softmarket abt.
00:08:28: Hardmarket ist charakterisiert durch hohe Preise, strikte Konditionen, knappes Angebot und der Softmarket entsprechend umgekehrt.
00:08:37: Und diese Zyklicität in den Markt entsteht dadurch das Angebot sich nicht kontinuierlich verändern, sondern auf sogenannte Shox reagieren.
00:08:45: Einer ist es sind natürlich Schadenschocks aber das müssen nicht schäden sein.
00:08:48: Es können zum Beispiel auch Belastungen vom Kapitalmarkt sein die Rückversicherer und Erstversicherertreffen oder Reserve-Shocks.
00:08:56: Und sowas war z.B.
00:08:57: in den Jahren twenty-zweiundzwanzig, zweihntausenddreiundzwandzig der Fall als wir eine sehr hohe Schadenbelastung hatten und gleichzeitig rasant steigende Zinsen.
00:09:05: Das hat die Kapitalbasis der Rückversicherung und auch der Erstversichere erodieren lassen.
00:09:10: Und dann hat man eine Situation, in der die Nachfrage der Erstversicherer gestiegen ist.
00:09:14: Während gleichzeitig das Angebot der Rückversicherern rückläufig war und das ist in gewisser Weise natürlich das bestmögliche Umfeld für Rückversichere.
00:09:21: Die konnten in dieser Situation die Preise erhöhen, die Selbstbehalte anheben
00:09:25: usw.,
00:09:28: was dann dazu geführt hat, dass die Profitabilität des Sektors drastisch gestiegen isst, gemessen an der Schadenkostenquote, den Eigenkapital renditen usw.. Nun ist aber dann wieder so gewesen, dass dieser ich sage goldene Hard Market der hat im Grunde genommen auch sein eigenes Ende eingeleitet.
00:09:47: die Profitabilität war sehr hoch und das hat natürlich dazu geführt, dass die Kapitalbasis wieder angeschwollen ist.
00:09:53: Das Angebot der Rückversicherer steigt Sodass ich jetzt seit Anfang twenty-fünfundzwanzig der Rückversicherungsmarkt ganz klar in einer Softening Phase befindet.
00:10:02: Wir haben ein wettbewerbsintensives Preisumfeld, die Rückversicherung mussten Preissrückgänge hinnehmen sowohl als auch zu Beginn des Jahres zweitausendsechsenzwanzig und das hat sich im Jahresverlauf, würde ich sagen noch mal beschleunigt.
00:10:16: Thorsten, kommen wir schon zu meiner Abschlussfrage an dich heute.
00:10:20: Die Preise für das Produkt Fallen, sagst du?
00:10:22: Das Risiko steigt.
00:10:24: Das heißt jetzt wohl, die Profitabilität der Rückversicherer wird schrumpfen dann mittellangfristig oder?
00:10:30: Das naheliegend.
00:10:31: aber das muss auch wenn es kontraintuitiv ist nicht unbedingt der Fall sein
00:10:35: und dafür
00:10:35: gibt's zwei Gründe.
00:10:37: Der erste ist der dass die Rückversicherung die zurückliegenden Jahre mit sehr hohem preisniveau und gleichzeitig niedriger Schadenbelastung dafür genutzt haben um in ganz erheblichem Umfang gewinne in der Bilanz quasi, ich sage immer zwischen zu speichern.
00:10:53: Indem sie die versicherungstechnischen Rückstellungen sehr großzügig dotiert haben also konservativ angesetzt haben vermutlich überdotiert haben und diese Überdottierung der Rückstellung hat die Ergebnisse der vergangenen Jahre erst mal noch gedämpft obwohl sie schon gut waren aber sie waren letztlich auch.
00:11:08: das was ausgewiesen wurde war ein gedäpftes Ergebnis Und diese Überdotierung der rückstellungen wird sich in Zukunft irgendwann voraussichtlich gewinnehöhend auswirken.
00:11:19: zweitens ist es so, dass die Rückversichere in den letzten Jahren vielfach Veräußerungsverluste im Online-Portfolio realisiert haben.
00:11:27: Das war natürlich ein gesichts des gestiegenen Zinsniveaus sehr einfach.
00:11:31: das hat die Gewinne aus dem Gewinnenausweis ebenfalls gedämpft.
00:11:36: Es wird umgekehrt aber auch dazu führen auf die Kapitanaanlagen höher sind, sodass das laufende Kapitalanlageergebnis steigen wird.
00:11:45: Die Veräußerungsverluste der Vergangenheit fallen tendenziell weg, so dass auch das dazu beiträgt, dass relativ zu den Ergebnissen der Vorjahre hier ein positiver Effekt zu erwarten ist.
00:11:56: Sodass ich insgesamt davon ausgehe, dass die Rückversicherer auch für das lauffende Jahr und darüber hinaus sehr gute Ergebnisse werden präsentieren
00:12:05: können.".
00:12:06: Ja, vielen Dank Thorsten!
00:12:08: Also man sieht Versicherung das muss gar nicht trocken sein.
00:12:11: Ich fand es sehr spannend.
00:12:12: Vielen Dank dafür und liebe Zuhörerinnen und Zuhöhre, vielen dank fürs Feinschalten und bis
00:12:17: zum nächsten
00:12:18: Mal.
00:12:20: Ihnen hat der Podcast vom ersten Oktober zwanzig sechsundzwanzig gefallen.
00:12:24: dann freuen wir uns über ein Abo und ihre Weiterempfehlung.
00:12:28: die rechtlichen Hinweise finden Sie wie immer in unseren Show Notes.
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